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Franziska Weber

22.04.2021
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Lebenssäulen-Check

Corona strapaziert uns alle, aber und vor allem auch jeden ganz individuell. Corona kratzt nämlich an unserer Identität und lässt sie an manchen Stellen ein klein wenig, an anderen jedoch deutlich sichtbar mürbe werden. Nach gut einem Jahr der Pandemie bröckelt es bei vielen Menschen an den 5 Säulen der Identität. Die Säulen beginnen zu wanken, drohen umzukippen und damit das Selbst instabil zu werden. Da hilft, sich bewusst zu machen, welche Säule ganz besonderer Pflege bedarf und sie zu stützen.

„Corona ist schon eine Sch…!“. Was in der Tat vulgär klingt, würde die ganze Welt am liebsten laut herausschreien. Doch wie sagt nochmal ein altes Sprichwort? Genau, „auch aus Sch… lässt sich Gold machen“! Vorausgesetzt, man wird sich dieser Option bewusst und erkennt, dass schmerzliche Momente im Leben wie auch die uns beherrschende Pandemie und daraus resultierende persönliche Herausforderungen als Chance gesehen werden können. Ähnlich wie nach einer Trennung oder einem beruflichen Scheitern besteht auch in dieser Krise die Wahl: Will ich an meinem coronabedingten Jobverlust oder den mangelnden Sozialkontakten verzweifeln … oder will ich stattdessen daran wachsen?

An Corona wachsen? Zwei Beispiele

Ein Paradebeispiel für so ein Wachstum zu Zeiten der Pandemie ist die fortschreitende Digitalisierung. Wer hätte jemals gedacht, mal so viel via Web zu erledigen. Plötzlich zoomen selbst die Ältesten, wird online in der Gruppe gesportelt oder sogar ein gemeinsames Dinner verköstigt. Und beruflich ist aus dem bei vielen Firmen verpönten Arbeiten aus dem Homeoffice ein absolutes Go geworden. Corona als Katalysator des technischen Fortschrittes also. Die Gabe, uns durch seine Anwesenheit anzutreiben und Unmögliches möglich zu machen, muss man dem Virus bei allen Schattenseiten zugestehen, hartnäckig, wie es ist.

Ebenso beispielhaft: Das von derzeit wohl allen praktizierte „Back to the roots“. Pandemiegedrungen schaltet man seit Monaten eins, zwei, drei Gänge herunter, spaziert durch Wald und Flur, liest längst vergessene Bücher, kocht die Rezeptesammlungen rauf und runter oder gräbt den Garten um und bringt ihn zum Blühen. Diesem Zurückbesinnen auf die Basics an Alltagsaktivitäten kann man durchaus etwas Positives abgewinnen.

Die Pandemie, ein Energiefresser

Trotzdem ist ehrlich (wenn auch durch die Maske gesagt) „die Kacke am Dampfen“. Das Leben mit der Pandemie kann weder beschönigt noch in Gold verwandelt werden, wie es Rumpelstilzchen mit Stroh im Märchen gelänge. Im Gegenteil, viel zu sehr greift das Virus in unser aller Leben ein, raubt es Unbeschwertheit. Dafür begleiten uns, seitdem es da ist, Sorgen um die Karriere, das Hab und Gut, das Ausleben von Werten, die Gesundheit und das soziale Netz. 5 grundlegende Lebensbereiche, auf die sich unser Selbst stützt. Als sogenannte Lebenssäulen bilden sie nämlich unser Fundament. Daher ist es besonders jetzt zu Corona-Zeiten wichtig zu überprüfen, in welchem Zustand diese eben genannten fünf Lebenssäulen sind. Stehen alle fest oder gerät vielleicht eine allmählich in Schieflage?

Um eventuelle Baustellen zu identifizieren, hat sich das Modell der 5 Säulen der Identität bewährt. Es verdeutlicht, welche Lebenssäule besonders unter der (persönlichen) Krise leidet:

5 Säulen der Identität

Dazu stellt man sich folgende Fragen und trägt die Antworten in die dazugehörige Lebenssäule ein.

Diese Fragen zu den 5 Lebenssäulen verraten, wo es kriselt:

1. Werte und Prinzipien:
• Was will ich?
• Was ist mir wichtig?
• Woran glaube ich?
• Wie steht es mit meinem Gewissen?
• Welches Ideal meiner Selbst verfolge ich?

2. Leiblichkeit:
• Wie steht es mit meiner Beweglichkeit, meinen leiblichen Aktivitäten?
• Welche Gefühle / Empfindungen sind im Vordergrund, welche Bedürfnisse spüre ich aktuell?
• Wie ist mein Körperbild, Body-Image?
• Was ist mit meiner Sexualität?
• Was ist mit meiner geschlechtlichen Identität?

3. Soziales Netz:
• Welche Freunde habe ich?
• Wie steht es mit meiner Familie, meinem Partner/in?
• Wie stehe ich zur Umwelt?
• Welches Verhältnis habe ich zur Kultur?

4. Materielles:
• Wie steht es um meine Finanzen?
• Welche materiellen Sicherheiten brauche ich?
• Wie schätze ich meine Zukunftsaussichten ein?
• Über welchen Besitz verfüge ich?

5. Arbeit und Leistung:
• Welche Ausbildung habe ich?
• Welchen Beruf habe ich?
• Welche Talente und Fähigkeiten?
• Vielleicht habe ich ein Ehrenamt inne?
• Was leiste ich in meiner Familie?
• Wie steht es mit meinem Ehrgeiz?
• Erhalte ich genug Anerkennung?
• Wie stehe ich zu Konkurrenten?
• Wie bewerte ich selbst meine Leistung?

Nachdem die Säulen entsprechend befüllt sind, wird schnell klar, in welcher Säule wieder mehr Stand benötigt wird und an welcher Stelle oder welchen Stellen nachgebessert werden könnte. Auf diese Weise gelingt es, sich selbst wieder ins Gleichgewicht zu bringen. In Zeiten von Corona als großer Krise und den daraus entsprungenen individuellen Krisen unterstützt der Lebenssäulen-Check und hilft eigene Ressourcen zu erkennen, die beim Bewältigen der Krise nützlich sind.

Tipp: Learning bei doing! Dazu einfach das Poster: Die 5 Säulen der Identität runterladen, ausdrucken und die Säulen ganz persönlich mit Leben füllen.



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