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Mariami Koberidze

05.06.2019
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Lernen wird seit langer Zeit immer noch und immer wieder mit Wissenserwerb verwechselt – das ist ein Erbe der europäischen Aufklärung. Gleichzeitig ist es inzwischen Allgemeingut, dass wirksame Lernprozesse vorwiegend auf sinnlichen und konkreten Erfahrungen beruhen. Und wir wissen nicht erst seit den Überlegungen der Systemtheorie, dass Menschen als „opera-tional geschlossene Systeme“ nicht instruierbar sind; jeder Lehrer kennt den Satz, dass „die Schüler sowieso nur lernen, was sie lernen wollen“.

Coaching Know-How

Als zweites Qualitätskriterium wäre also zu betrachten, inwieweit ein Lernprozess in der Coaching-Weiterbildung von der Instruktion (Dozieren, Vermitteln, Präsentieren) lebt und welche Bedeutung Erfahrungslernen (Lernexperimente, „Übungen“, Simulationen) im Verlauf des Qualifikationserwerbs haben. Nach wie vor gibt es (zu) oft ein Primat des Kognitiven, insbesondere eben in akademischen Lehrtraditionen. Beim Coaching stellt sich jedoch eher die Frage, wie in der Ausbildung berufliche Handlungskompetenz dahingehend aufgebaut werden kann, dass der Studierende anschließend Menschen in herausfordernden Situationen professionell und im Rahmen seiner eigenen beraterischen Kompetenz verantwortlich beraten kann.

 

Wenn jedoch gilt, dass ein Coach als Beratungsperson sich selbst das wichtigste Instrument ist, das in der späteren Beratungsarbeit eingesetzt wird, dann geht es eben auch darum, während der Ausbildung die eigene Person und die eigene Biographie intensiv in den Blick zu nehmen. Solche „Selbsterfahrung“ didaktisch zu gestalten ist aufwändig und oft nur schwer in kursbezogene Curricula einzubauen, für das personenbezogene Lernen von Wahrnehmung, blinden Flecken und Bewusstheit über eigene Wirklichkeitskonstruktionen aber unverzichtbar.

Als ein drittes Qualitätskriterium wäre somit zu prüfen, inwieweit Persönlichkeitsentwicklung und Selbsterfahrung tatsächlich als integrale Bestandteile einer Coaching-Qualifizierung vorgesehen sind.



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