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Drei Blickwinkel im Coaching: Was hinter dem Problem steckt

Manchmal wirkt eine Situation ganz eindeutig. Da ist ein Problem – und das soll möglichst schnell verschwinden. Und doch zeigt sich im Coaching immer wieder: Das, was sichtbar ist, ist selten die ganze Geschichte. Denn hinter einem Problem liegt oft mehr. Mehr Kontext. Mehr Dynamik. Mehr Bedeutung. Wer beginnt, genauer hinzuschauen, entdeckt: Eine Situation lässt sich aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachten – und genau darin entsteht Bewegung.



Drei Blickwinkel im Coaching: Darstellung von Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft als Perspektiven zur Lösung von Problemen. Von COATRAIN® in Hamburg

Das Hier und Jetzt: Was zeigt sich wirklich?

Am Anfang steht die Gegenwart. Das, was gerade passiert. Eine Führungskraft erlebt ihr Team als zurückhaltend. Ein Gespräch verläuft zäh. Eine Entscheidung fällt schwerer als gedacht. Schnell entstehen Erklärungen.
„Die anderen ziehen nicht mit.“, „Ich werde nicht ernst genommen.“

Doch im Coaching wird an dieser Stelle bewusst verlangsamt. Statt sofort zu bewerten, geht es zunächst darum, genauer hinzusehen. Was ist tatsächlich beobachtbar? Und was ist bereits Interpretation? Allein diese Unterscheidung verändert oft schon etwas. Die Situation wird klarer, ruhiger – und ein Stück greifbarer.

Der Blick zurück: Wie ist es dazu gekommen?

Hat sich das Bild der Gegenwart geschärft, öffnet sich der Blick in die Vergangenheit. Denn kaum eine Situation entsteht aus dem Nichts. Sie hat eine Geschichte. Vielleicht liegt der Ursprung in einem Rollenwechsel. Eben noch Teil des Teams – plötzlich in Führung. Vielleicht wirken alte Erfahrungen nach, die das eigene Verhalten heute noch prägen. Oder es haben sich Dynamiken entwickelt, die lange unbemerkt geblieben sind.

Die Frage verändert sich hier ganz leise: von einem schnellen „Warum ist das so?“ hin zu einem forschenden „Wie konnte es dazu kommen?“ Und oft entsteht genau dort etwas Entlastendes. Das Problem wirkt weniger wie ein persönliches Versagen – und mehr wie ein Ergebnis von Entwicklung.

Der Blick nach vorn: Wozu ist das gut?

Und dann kommt die Perspektive, nämlich der Zukunft, die zunächst irritieren darf. Wozu ist das gut? Ein Problem als etwas zu betrachten, das einen Sinn haben könnte, fühlt sich im ersten Moment ungewohnt an. Und doch liegt genau hier häufig eine entscheidende Wendung. Denn das, was heute schwierig ist, weist nicht selten auf etwas hin, das entstehen will. Unsicherheit kann bedeuten, dass etwas Neues beginnt. Konflikte können anzeigen, dass Klärung notwendig wird. Druck kann darauf hindeuten, dass eine Entscheidung ansteht.

Plötzlich bekommt die Situation eine Richtung. Sie zeigt nicht nur, woher etwas kommt – sondern auch, wohin etwas führen kann.

Wenn sich Perspektiven verschieben

Eine Führungskraft beschreibt im Coaching: „Mein Team zieht nicht mit.“ Ein Satz, der zunächst eindeutig klingt. Doch im gemeinsamen Hinschauen verändert sich das Bild. Im Hier und Jetzt zeigt sich vor allem Zurückhaltung in Meetings. Im Rückblick wird deutlich, dass der Rollenwechsel vom Kollegen zur Führungskraft noch gar nicht richtig vollzogen ist. Und mit Blick nach vorn wird sichtbar, dass genau hier die eigentliche Aufgabe liegt: die neue Rolle anzunehmen und zu gestalten. Das Problem bleibt – und verändert sich gleichzeitig. Es wird weniger starr. Beweglicher. Bearbeitbar.

Fazit: Mehr sehen heißt mehr bewegen können

Im Coaching geht es nicht darum, Probleme möglichst schnell aufzulösen. Es geht darum, sie in ihrer Tiefe zu verstehen. Die drei Blickwinkel – Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft – eröffnen genau dafür einen Raum. Sie erweitern das Bild, ohne es zu verkomplizieren. Und manchmal zeigt sich dabei etwas Überraschendes: Das, was zunächst stört, ist genau das, was Entwicklung möglich macht.