Mariami Koberidze

10.02.2017
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Immer mehr Menschen lassen sich coachen. Darunter nicht nur Führungskräfte, sondern stark im Einsatz ist Coaching auch in der Karriereentwicklung und im Gesundheitsmanagement. Allerdings hat sich unter dem Einfluss von psychotherapeutisch veranlagten Coaches ein Bild von Coaching verbreitet, das den Coach v.a. als Fragensteller und Prozessbegleiter labelt. Und dies schadet dem Ruf von Coaching zusehends. Wie konnte das passieren?

Als Coaching in den 1950er Jahren in den USA entstand und sich dort in den 1980er Jahren verbreitete, war es noch ein Management-Skill. Nämlich die Fähigkeit von Managern, Lern- und Entwicklungsprozesse von Mitarbeitern, v.a. des Management-Nachwuchses, zu initiieren und zu fördern. Ein Manager verhalf durch Coaching ausgewählten Mitarbeitern, angesichts beruflicher Rollen und Herausforderungen so zu reifen, dass sie diesen anschließend gewachsen waren.

Coaching, insbesondere für Führungskräfte, hat auch deshalb in den zurück liegenden Jahren so eine Popularität erlangt, weil viele Menschen in dieser hohen Arbeitsdichte und unter diesem hohen Wettbewerbsdruck nicht mehr die Zeit zur Reflexion und nicht mehr die geeigneten Partner zur Reflexion ihres Handelns finden. Sie sind allein. Haben niemanden, – ob nun grundsätzlich niemand Geeignetes oder nur aktuell Niemanden zur Verfügung, – bei dem sie Resonanz finden. Jemand, der ihnen die Meinung sagt, der Stellung bezieht, der Wahrheiten ausspricht. Jemand, dem sie vertrauen können. Gerade in Führungsrollen muss ich vorsichtig sein, wem aus meinem betrieblichen Umfeld ich was anvertraue. Ein Mitarbeiter ist aufgrund unserer besonderen asymmetrischen Rollenbeziehung (Vorgesetzter-Unterstellter) z.B. nicht die geeignete Adresse, um meine Fragen oder Herausforderungen beim Führen von Mitarbeitern zu besprechen. Viele Menschen kommen deshalb ins Coaching, um einen Reflexions- und Sparringspartner zu finden. Und dann stoßen sie auf einen Coach, der ihnen wieder nur Fragen stellt? Der sich mit seiner Urteilskraft, mit seiner Sicht der Dinge nicht einbringt? Der sein Know-how zurückhält und sich stattdessen auf eine neutrale Begleitung innerer Klärungsprozesse des Klienten verlegt? Dies wäre ein tragischer Fall von komplementärer Gegenübertragung. So nennt man es, wenn ein Coach Befindlichkeiten oder Verhaltensweisen seines Klienten unbemerkt übernimmt und unbewusst dazu passend reagiert. „Prozessbegleitung? Nein Danke! Ich brauche jemanden, der Stellung bezieht und mich herausfordert“ lautete der empörte Ausspruch eines Bereichsleiters, der aus einem rein systemischen Coaching in ein Management-Coaching gewechselt war.

 

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