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Franziska Weber

11.02.2021
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Paar-Konflikte lösen

Ständig diese Missverständnisse! Paare kennen das Dilemma, plötzlich zu streiten, ohne das gewollt zu haben, sondern irgendwie in diesen Konflikt hineingeraten zu sein. Ein Paradebeispiel gefällig? Dann kurz mal an den vergangenen Valentinstag gedacht, na, kommt die folgende Szene bekannt vor?

Es ist der 14.02., sie überreicht ihm freudig eine liebevoll gestaltete Fotocollage mit Bildern aus dem letzten gemeinsamen Urlaub und schaut ihn erwartungsvoll an. Doch was schenkt er ihr zum Tag der Liebe? Genau, nichts als eine trostlose Ausrede: „Wir wollten uns ja nichts schenken, finden wir doch unnötig“, begründet er die fehlende Aufmerksamkeit. „Hmm, klar, ja, haben wir gesagt“, entgegnet sie mit enttäuschtem Blick und wartet insgeheim auf seine kleine Entschuldigung, ein in den Arm nehmen und eingestehen, dass auch er zumindest eine Kleinigkeit hätte besorgen sollen. Seine Reaktion stattdessen: Er geht schlagartig auf Konfrontationskurs und beschwert sich lautstark darüber, dass sie doch betont habe, wie kitschig sie dieses ganze Bohei um den Valentinstag fände und Geschenke deshalb völlig affig seien. Dann zieht er sich beleidigt zurück und verkriecht sich hinter seinem iPad. Funkstille …

… bis es aus ihr herausbricht: „Vielleicht hätte ich mir aber trotzdem eine winzige Aufmerksamkeit zum Tag der Liebe gewünscht?“. Und genau hier liegt der berühmt berüchtigte Hase im Pfeffer. Oder der Taucher auf Unterwasserforschung, denn diese typische Streitsituation bei Paaren lässt sich wunderbar anhand des Taucher-Modells erklären – einem COATRAIN®- Bewusstseinsmodell, das man zur Konfliktlösung zwischen Menschen in sämtlichen Bereichen, ob privater oder beruflicher Natur, anwenden kann.

Mit (Paar-) Konflikten verhält es sich nämlich wie mit zu erforschenden Wasserwelten. Nur ein kleiner Teil ist sichtbar, das meiste versteckt sich unter der Wasseroberfläche und ist unsichtbar. Ähnlich ist es beim Streit, dessen Ursache sich oberflächlich lediglich erahnen lässt. Mit Hilfe des Taucher-Modells kann dem Konflikt aber auf den Grund gegangen werden, indem alle Bewusstseinsebenen des Selbsts ertaucht werden. So startet der Taucher mit einem schwungvollen Kopfsprung in sein Bewusstsein (etwa 5% des Selbst), taucht ein ins Vor-Bewusstsein (ca. 10% des Selbst) und schnorchelt weiter in den größten Teil seines Selbst, dem 85%igen Unbewussten. Dort trifft er auf Antreiber, seine Werte mit Triebcharakter, Strebungen, Motive, Bedürfnisse etc., die er mit dem Tauchgang nach oben ans Licht bringt. Auf diese Weise gelingt es, alles, was unter der Wasseroberfläche schlummert, den Streitenden vom Grund zu holen und bewusst zu machen. Je mehr ans Licht kommt, desto leichter fällt es den Beteiligten sich selbst und sich gegenseitig zu verstehen und im Idealfall somit den Konflikt miteinander zu lösen.

Taucher-Modell

Um Missverständnissen und Konflikten vorzubeugen, können diese 6 Tipps unterstützen:

  1. Bewusstmachen, dass jede Einschätzung (auch die eigene) auf individueller Perspektive und dem hohen Anteil der Beziehungsebene beruht
  2. Einander aktiv zuhören und entschlüsseln, worum es dem anderen geht
  3. Bei Missverständnissen die Initiative zeigen, beim anderen nachzufragen
  4. Feedback einholen, worum es dem anderen geht
  5. Persönliche Beweggründe, Erfahrungen und Learnings des anderen beachten
  6. Klare Regeln für eine gelungene Kommunikation aufstellen (ausreden lassen, auf Beleidigungen oder Vorwürfe verzichten, möglichst Ich-Botschaften formulieren)

Hätte unser streitendes Paar diese Tipps gekannt, was wäre der Valentinstag doch anders (harmonisch) verlaufen!

Er hätte bestimmt bemerkt, dass seine Frau insgeheim doch gern von ihm mit einem Strauß Blumen oder romantischem Dinner überrascht worden wäre und sie, dass er von ihrem inneren Wunsch ja gar nichts wissen konnte. Er wäre weder laut noch sauer geworden, wenn ihm ihre Motive bezüglich des Lästerns über den Valentinstag bewusst gewesen wären (vielleicht, weil sie Angst hatte, er könne den Tag blöd finden). Und beide hätten zu dem Konsens gefunden, sich künftig vorab besser über solche Dinge abzustimmen, in diesem Fall, wie sie tatsächlich mit dem Valentinstag umgehen möchten. Soll er als Tag der Liebe gefeiert werden? Will man den Tag zum Anlass nehmen, sich gegenseitig etwas zu schenken oder Romantisches zusammen zu unternehmen? Oder entschließt man sich dazu, den Valentinstag zu ignorieren und wie jeden ganz normalen Sonntag zu behandeln?

Wie man sich als Paar auch entscheidet, wichtig ist, diese „Regeln“ dann aber auch konsequent einzuhalten – dem glücklichen Valentinstag zu Liebe!

 

Apropos: Das Taucher-Modell hilft auch im beruflichen Kontext, zum Beispiel bei Zoff unter Mitarbeitern, den Kern von Konflikten zu ergründen. In unserer Weiterbildung zum Konfliktcoach werden Lösungskompetenzen durch professionelles Konfliktmanagement erworben.



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