Väter dürfen auch mal "nein" sagen

Wer „ja“ zu Ehe, Kind und Chefposten sagt, trägt große Verantwortung auf dreierlei Weise. Ehemann, Vater, Chef – die mitunter konkurrierenden Rollen perfekt zu erfüllen, ist kräftezehrend. Wir verraten, wie sich Väter als „Teilzeit-Neinsager“ ein wenig Druck nehmen.

„Komm nicht so spät nach Hause“, fordert die Partnerin, „Der Video-Call nach L.A. muss heute Nacht stattfinden, muss!“, stellt der Rest der Führungsriege klar, „Ich will aber noch mit dir Pferdehof spielen“, bettelt das Kind. Für den beruflich erfolgreichen Familienvater ist es zum sprichwörtlichen Haare raufen, weil er sich permanent verpflichtet fühlt, sowohl zur Ehefrau, dem Kind und den Kollegen „ja“ zu sagen (und auch tut), obwohl es kapazitätsmäßig kaum zu stemmen ist.

Das Gute, es gibt Abhilfe, liebe Väter! Doch dazu muss eine wesentliche Voraussetzung erfüllt sein: erkennen, welche Bedürfnisse man hat, um mit sich selbst, dem Privaten und Beruflichen im Reinen zu sein. Denn erst dann kann helfen, was eigentlich ganz leicht ist: Neinsagen.

Exakt. Nur vier Buchstaben muss Mann in den Mund nehmen und diese bei unpassenden Forderungen und Bitten anderer selbstbewusst, aber respektvoll aussprechen: NEIN.

Doch wie funktioniert der Wandel vom Ja- zum Neinsager? Diese 6 Schritte sollten beruflich und privat eingespannte Väter gehen:

1. Statt vorschnell zuzusagen, analysieren!
Oftmals lässt man sich durch spontane Bitten überrumpeln und sagt ja, obwohl eigentlich keine Zeit dafür ist. Der Kollege fragt, ob man für ihn die Präsentation übernehmen kann, die Partnerin muss länger arbeiten und das Kind aus dem Kindergarten abgeholt werden, der Nachwuchs kennt kein Erbarmen beim Gutenachtgeschichte-Vorlesen. Besser ist, durchzuatmen und für sich einen Moment zu überlegen, wie sinnvoll eine Zusage ist. Man könnte im Geiste zum Beispiel folgende Fragen durchspielen:

• Was soll erledigt werden: eine Arbeit, ein Gefallen?
• Möchte man das machen – oder ist es einem vielleicht zuwider?
• Wie viel Aufwand wird es kosten? Wie viel Zeit, Kraft, Energie und Lust hat man?
• Was muss eventuell leiden oder zurücktreten, wenn man der Bitte nachkommt?
• Wer ist es, der um einen Gefallen bittet? In welchem Verhältnis steht man zueinander?
• Wie oft hat man schon etwas für diese Person getan und möchte man es noch einmal tun?

2. Herausfinden, was am Neinsagen schwerfällt
Es gibt verschiedene Gründe dafür, die einen am Neinsagen hindern. Deshalb ist es wichtig, sich klarzumachen, was es persönlich so schwer macht. Denn so können genau diese Ängste oder Bedenken überwunden werden. Willigt man in das Halten der Präsentation nur ein, um beim Kollegen weiterhin anzukommen, schlägt man die Bitte der Ehefrau das Kind abzuholen deshalb nicht aus, weil man befürchtet sonst selbst keine Überstunden mehr machen zu können, liest man nur deshalb vor, um ein „guter Vater“ zu sein, obwohl einem die Augen dabei zufallen?

Gründe könnten sein:
• Man möchte von allen gemocht werden
• Meiden von negativen Konsequenzen
• Befürchtung, egoistisch oder herzlos zu wirken
• Bedürfnis gebraucht zu werden
• Angst, etwas zu versäumen

3. Strategien des anderen erkennen
Wenn Partnerin, Kollegen oder Kinder etwas von einem wollen, machen sie es einem alles andere als leicht, „nein“ zu sagen. Alle gehe auf ihre Art strategisch vor, indem sie …
• Schuldgefühle auslösen
• Überrumpeln
• Schmeicheln
• Mitleidstour anwenden
• Druck ausüben
• Erpressen

Hat man eine Strategie erkannt, kann diese deutlich angesprochen werden:
• „Ich fühle mich im Moment überrumpelt, weil du von mir unter Zeitdruck eine Entscheidung möchtest. Gib mir zehn Minuten und dann sage ich dir Bescheid.”
• „Ich kann verstehen, dass es dir nicht gefällt, wenn ich jetzt „nein” sage. Ich möchte mir aber deswegen keine Schuldgefühle machen lassen.”
• „Ihr Lob freut mich natürlich sehr, und trotzdem kann ich leider diese Aufgabe heute nicht mehr für Sie erledigen.”

4. Klarmachen, welchen Preis man fürs Jasagen zahlt
Was kostet es einen eigentlich „ja” zu sagen? Die Antwort darauf verraten einem die eigenen Bedürfnisse, die man zu oft hintenanstellt. Die Motivation, „ja“ zu sagen sollte man deshalb immer hinterfragen.

Kosten für zu vorschnelles Jasagen sind z.B.:
• Weniger Zeit und Energie für eigene Vorhaben und Projekte oder für Menschen, für die man viel lieber etwas tun würde
• Stress, weil die zusätzlichen Aufgaben zu eigenen hinzukommen
• Ärger darüber doch wieder nachgegeben zu haben
• Das nagende Gefühl, ausgenutzt zu werden

5. Sich erlauben „nein“ zu sagen
Es ist ein gutes Recht „nein“ zusagen und kein Egoismus gut für sich zu sorgen, sondern notwendige Selbsterhaltung. Anderen kann nur etwas geben, wer selbst genug Kraft und Energie hat und wer das, was man anderen gibt, auch gern tut.

6. Lernen, freundlich und respektvoll „nein“ zu sagen
Wer „nein“ sagt, sollte das so klar sagen, dass der andere es nicht missverstehen kann. Klarheit darf aber nicht verletzend sein. Ein respektvolles „Nein“ wird leichter hingenommen als ein aggressives.
Möglichkeiten für ein respektvolles „Nein“ sind:
• Nein begründen
• Verständnis für die Bitte zeigen
• Bedanken für das Vertrauen
• Manchmal reicht ein Teil-Nein (z.B. Heute nicht – aber morgen gern!)
• Einen eigenen Lösungsansatz einbringen

Bereit für Schritt 7? Zur Vertiefung und zum Ausprobieren, ob es mit dem Neinsagen funktioniert, eignet sich unser Seminar Selbstsicherheitstraining.



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