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Mariami Koberidze

15.07.2019
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Der häufigste Anlass für Coaching ist eine Krise, die allerdings häufig durch einen Konflikt verursacht wird. Dabei kann als individuelle Krise die berufliche Leistungsfähigkeit Einzelner gemindert sein, Gefühle von „Überrollt-Werden“ erzeugen oder sogar mehr oder weniger gravierende psychische und/oder somatische Beschwerden verursachen. Anlässe für Coaching bilden aber auch kollektive Krisen im beruflichen Kontext. Sie können durch ökonomische Probleme, durch Veränderungen der Organisationsstruktur oder -kultur, durch Fusionen bzw. Akquisitionen von Systemen oder sogar durch politische Bedingungen verursacht sein.

Burn out

Oft taucht der Wunsch nach Coaching allerdings auch ohne krisenhafte Erscheinungen auf. Dann suchen einzelne Menschen oder Gruppen ihre beruflichen Aktivitäten zu intensivieren oder zu erweitern. Vielfach beabsichtigen auch Firmen, ihre Führungskräfte für neue Herausforderungen zu fitten. Für solche nicht-krisenhaften Belange kann Coaching auch von Kollektiven angefordert werden, die als organisatorische Systeme innovative Entwicklungen einleiten wollen und ihre Führungskader entsprechend zu beschulen wünschen. Im Folgenden eine stichwortartige Auflistung.

Krisen als Anlass für Coaching

Bei Krisen handelt es sich um „eine Bedrohung, eine Herausforderung, eine Belastung für die Aufmerksamkeit, eine Aufforderung zu neuen Handlungen, die den Keim einer neuen Organisation in sich tragen könnte“ (Ulich 1987, S. 6). Krisen sind deshalb als Organisationsprinzip zu bezeichnen, das neue Entwicklungen provoziert. Zur Unterstützung solcher Prozesse ist Coaching hervorragend geeignet.

Individuelle Krisen

Akute Krisen im Beruf: Akute berufliche Krisen sind selten monokausal. Wenn man bei der Analyse von Krisen auch Systembetrachtungen einbezieht, wird meistens deutlich, dass krisenhafte Erscheinungen einzelner Personen auch durch organisatorische oder gar politische Bedingungen angestoßen werden können:

  • Persönliche Faktoren: Jedes persönliche Krisenereignis bringt auch Konsequenzen für den Arbeitsplatz mit sich bringt. Der überraschende Tod eines Familienangehörigen, ein Verlassenwerden durch Partner usw. können das gesamte Weltverständnis eines Menschen erschüttern. Dann erhalten auch berufliche Zusammenhänge oft eine neue Bedeutung.
  • Situative Faktoren bilden wahrscheinlich den häufigsten Anlass, Coaching in Anspruch zu nehmen. Sie können durch eine bevorstehende Pensionierung, durch Arbeitsplatzwechsel, durch Bedingungen am speziellen Arbeitsplatz, durch Bedingungen in einem organisatorischen System, durch Besonderheiten von Suprasystemen oder durch nationale und sogar internationale Entwicklungen verursacht sein.
  • Kombinierte Faktoren: Als besonders schwierig erweist sich die Bewältigung einer beruflichen Krise, wenn eine Person in irgendeiner Weise schon vorher angeschlagen ist. So kann sich der Eintritt in ein neues organisatorisches System nach dem Verlust des Partners zur kaum bewältigbaren Krise auswachsen. Krisen am Arbeitsplatz können aber auch alte Traumatisierungen aufreißen, die bisher gut kompensiert werden konnten.

Berufliche Deformationen: Dabei geht es um einseitige Ausformungen im Denken und Handeln, also der gesamten Persönlichkeit. Wenn solche Ausformungen von den Betreffenden oder ihrem Umfeld als Belastung erlebt werden, kann es zu Krisen kommen, die professionelle Unterstützung sinnvoll erscheinen lassen. Berufliche Deformationen können natürlich auch durch berufliche Interaktionspartner verursacht sein, wenn etwa Sozialarbeiterinnen permanent mit drogenabhängigen Prostituierten arbeiten und dann den Glauben an die Möglichkeit konstruktiver Mann-Frau-Beziehungen verlieren.

Job-Stress: Das persönliche Stresserleben hängt „von Häufigkeit, Vielfalt, Dauer und Intensität ab, mit denen Stressoren auf ein Individuum einwirken“ (Litzcke & Schuh 2010, S. 12). In der Literatur zum Job-Stress unterscheidet man „Eustress“ als positiven Motivator und „Disstress“ als Belastungs-, Anforderungs-, Zeitdruck. Er löst Gefühle von Überforderung, Missmut, Sich-Gehetzt-Fühlen, Erfahrungen von Inkompetenz oder Ohnmacht aus. Die Effekte von Stress können das Denken, die Emotionen, das vegetativ-hormonelle sowie das muskuläre System, außerdem natürlich das Verhalten beeinträchtigen (Decker & Decker 2011). Bei Menschen, die um Coaching ansuchen, begegnen wir in der Regel einem Konglomerat aus individuellen und kontextbedingten Stressoren. Am häufigsten stehen äußere Faktoren im Vordergrund, wie z.B. personelle Unterbesetzung, überdurchschnittlicher Arbeitsanfall, chronische Rollenüberlastung usw., also Phänomene, die sich durch Coaching nicht beseitigen lassen. In manchen Fällen ist zu raten, den Arbeitsplatz zu wechseln. Viele durch den Kontext verursachte Stressphänomene erfordern aber primär veränderte Formen des Umgangs mit Belastungen.

 

 

Burnout: Ausbrennen bzw. Burnout wird heute als Inbegriff einer „schleichenden Krise“ bezeichnet. Es handelt sich dabei um einen physischen und psychischen Erschöpfungszustand, der von negativen Selbstdefinitionen und negativistischen Haltungen gegenüber der Arbeit und Gefühlen von Aussichtslosigkeit begleitet ist. Die Symptome bestehen in Gleichgültigkeit gegenüber der Arbeit, in Widerstand, den Arbeitsplatz überhaupt zu betreten, Schuldgefühlen, sozialem Rückzug und vielfältigen somatischen Beschwerden. Die Symptome weisen auch Nähe zur Depression auf. Aber während eine Depression tiefgreifender ist und einer ausführlichen therapeutischen Behandlung bedarf, lässt sich Burnout oft durch Coaching mildern oder eindämmen. Vom Ausbrennen sind potentiell alle Berufsgruppen betroffen, insbesondere aber Tätigkeitsfelder, die die Verpflichtung eines mitmenschlichen Engagements implizieren, wie z. B. alle Helferberufe.

Hierbei handelt es sich um interaktive Konflikt-Eskalationen am Arbeitsplatz: Ein Mensch wird aus irgendeinem, oft geringfügigem Anlass für Vorgesetzte oder Kollegen zum Stein des Anstoßes. Der Ärger wird aber nicht offen ausgetragen, sondern mündet zunächst nur in banalen Schikanen. Wenn das „Opfer“ dann um Erklärungen bittet, werden seine Nachfragen aber meistens nur mit Kopfschütteln oder sogar mit dem Hinweis quittiert, dass es bei ihm „im Kopf wohl nicht ganz stimmt“. Zermürbt durch die kollektiven Aussonderungsprozesse, stellt sich beim Betreffenden ein schleichender Verlust seines Selbstwertgefühls ein. Er oder sie gerät immer deutlicher in die Defensive und beginnt nun tatsächlich, „merkwürdig“ zu reagieren. Die berufliche Lebenswelt konstelliert sich dann für den Betreffenden immer paranoider, sodass sich bei ihm schließlich allerlei psychische und/oder somatische Beschwerden einstellen können. Solche Konflikt-Eskalationen lassen sich in einem Coaching, wenn dieses rechtzeitig in Anspruch genommen wird, durchbrechen.



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