Franziska Weber

07.05.2021
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Schlagfertige Mütter

„Kind krank? Arbeiten Sie doch im Home-Office!“, „Na, halben Tag Urlaub?“, „Vermisst Du Dein Kind denn gar nicht?“ – Als berufstätige Mutter braucht man oft ein dickes Fell. Denn solche und zig mehr Sprüche werden aus allen gesellschaftlichen Ecken geklopft und prasseln auf die Working Mums ein. Was also tun gegen verbal verpasste Schmerzen von Chefs, Kollegen, Freunden und Bekannten?

Während man sich als Vollzeit-Mama tagtäglich von Lebensweisheiten wie „Lass sie/ihn doch ein bisschen schreien“ oder „Das würde ich ihm/ihr nie geben“ erholen muss, heißt es für berufstätige Mütter, ob stundenweise, halbtags oder Fulltimejob, cool auf wenig qualifizierte Kommentare zu ihrem Lebensmodell zu reagieren. Denn, während sie mit der gewählten Verteilung von Zeit (einerseits Mama, andererseits berufstätig sein) mit sich total im Reinen ist, weil es ihr ganz persönlicher, auf ihre Bedürfnisse zugeschnittener Mix ist, ruft dieser Lebensstil bei anderen häufig Aufregung hervor. Und die gilt es clever zu kontern! Meint, nach einem blöden Spruch (Schlag) geistvoll, überraschend und emotional angemessen zu antworten und sich somit charmant den eigenen Standpunkt zu verdeutlichen.

Das mag herausfordernd klingen und Assoziationen hervorrufen wie „aber in den entscheidenden Momenten fällt mir nur Schwaches ein und es herrscht Leere im Kopf“, ist aber leichter als gedacht. Spontanes schlagfertiges Antworten kann man lernen und mit etwas Training das Gegenüber zum Nachdenken bringen, ehrlich!

Ein wenig Motivation fürs Schlagfertigkeitstraining gefällig?

Nach einer Runde „Working Mum-Bingo“ wird es jeder berufstätigen Mutter in den Fingern jucken, mal endlich eine treffsichere Antwort auf die oft unverschämten Floskeln ihres Umfelds zu haben.

 

Working Mum Bingo

Mehr als ein Häkchen gesetzt? Dann wird es Zeit sich zu wappnen und mit Schlagfertigkeit zu punkten.

Mithilfe folgender vier Aspekte trainieren arbeitende Mütter ihre Schlagfertigkeit:

1. Schnell sein lohnt sich
Die besten Antworten sind die spontanen, die aus der Pistole geschossen kommen. Deshalb ist ein Schnelligkeitstraining angesagt. Hilfreich hier: Aus Dialogen anderer lernen und in bspw. Meetings mitdenken und sich situationsgerechte schlagfertige Antworten zurechtlegen. So lernt man, schlagfertige Ideen zu entwickeln und ist fähig einen Gedanken oder Stichworte rascher aufzunehmen. Mit jeder neuen Situation kann schneller, geschliffener formuliert werden.

2. Antworten parat haben
Hinterher ist man immer schlauer? Jetzt wird der Spieß umgedreht und auf die gute alte Schublade zurückgegriffen. Dazu typische Situationen, in denen eine schlagfertige Antwort günstig wäre, identifizieren und ein Potpourri an möglichen Reaktionen sammeln. In die Schublade packen und bei passender Gelegenheit hervorholen.

3. Blockaden überwinden
Wer kennt es nicht, man fühlt sich durch einen Kommentar peinlich berührt, verkrampft, die Atmung verlangsamt sich, man errötet, fängt vielleicht sogar an zu stottern und kann einfach nicht mehr frei denken. Diese körperlichen Symptome sind typisch für Angstreaktionen. Ziel ist es, diese und die Blockade aufzulösen und so den Weg frei zu machen für die Schlagfertigkeit. Das funktioniert durch:

• mentale Vorbereitung (Aufprallschutz aufbauen)
• körperliche Entspannung (Körper bewusst lockern)
• selbstwertschützende Bewertung der Situation (Angriff als Selbstoffenbarung des Angreifers hören)
• non-verbale Selbstsicherheit (Blickkontakt halten)
• statt sich zu rechtfertigen, selbst-bewusste Kommunikation
• überraschende Antwort (den Wind aus den Segeln nehmen)

4. Schlagfertigkeitstechniken einsetzen
Es gibt tatsächlich gut erlernbare Techniken, die man sich aneignen kann, um schlagfertig auf bestimmte Sprüche zu kontern.
Welche bewährten Methoden zu einem passen? Das lässt sich anhand eines Spruch-Klassikers gegenüber berufstätigen Müttern erkennen:

„Ach, sei froh, du kannst nachmittags immer schön auf dem Spielplatz in der Sonne sitzen.“

Was die Working Mum darauf erwidern könnte? 17 schlagfertige Antwortmöglichkeiten:

Nichts sagen! Einfach abwarten, was passiert. Dabei aber auf alle Fälle Blickkontakt halten und mit einem fragenden Blick signalisieren, dass man über diese Aussage ziemlich erstaunt ist und das gern genauer erklärt hätte.
-> Der Sprücheklopfer muss weiterreden, um den „Vorwurf“ zu präzisieren. Als Working Mum gewinnt man Zeit und irritiert das Gegenüber, weil man sich nicht rechtfertigt.

Die Bemerkung ins Absurde lenken! Klappt durch inhaltliches Überspitzen. Zum Beispiel: „Ja, ich hab mir auch schon Sonnencreme und Bikini eingepackt“.
-> Die Sache wird maßlos, abwegig und komisch.

Zustimmen! Einfach sagen, „Du hast Recht“.
-> Die Spitze läuft ins Leere.

Umdeuten! Indem die angreifenden Worte der Kollegin im positiven Sinne umgedreht werden, z. B. „Ja, während die Kinder spielen, kann ich nochmal das Meeting vom Vormittag Revue passieren lassen und Ideen für den nächsten Tag sammeln“.
-> Scharfe Töne werden geglättet.

Spiegeln! Eine Frage wie „Ach, wärst Du gern an meiner Stelle und auf dem Spielplatz, um Dich ein wenig zu erholen?“ stellen.
-> Absicht der Kollegin wird deutlich, aber kein Gegenangriff gestartet

Zurück zur Sache! Wenn die Aussage verunsichert, diese kurz sachlich aufgreifen und darauf hinweisen, wie unerheblich diese Angelegenheit ist. „Aha, aber lass uns nochmal kurz über die Lieferantenliste sprechen“.
-> Unfaire Angriffe laufen ins Leere

Rückfragen! Den Ball zurückspielen und nach einer Erklärung fragen. „Wie kommst Du darauf?“.
-> Der andere wird zurück in die Verantwortung geholt

Deckel drauf! Mit dieser Methode dem Kommentar einen verbalen Deckel aufsetzen. „So.“ oder „Wirklich?“.
-> Die Kurzantwort unterbindet eine vertiefende Behandlung des Themas

Moment mal! Ankündigen, auf die Äußerung zu einem späteren Zeitpunkt einzugehen. „Warte mal kurz, darauf hab ich gleich noch ne Antwort“.
-> Klar machen, dass dieser fiese Kommentar noch gekontert wird

Mehrdeutigkeit nutzen! Das Bild der Kollegin aufgreifen, um von dort zu einem anderen Bild zu springen. „Nicht, seitdem die Spielplatz-Bank abmontiert wurde“.
-> Irritation des anderen durch unerwartete Reaktion

Kompliment machen! „Eine schöne Vorstellung. Danke für die gute Idee!“
-> Dem Angriff wird der Wind aus den Segeln genommen.

Paradox höflich sein! Auf den Spruch reagieren, indem man sagt, was man lieber nicht sagt. „Meine Höflichkeit verbietet es mir, auf solche unreflektierten Inputs einzugehen.“
-> Der andere wird mit dem Kopf darauf gestoßen, wie unpassend die vorherige Bemerkung war.

Entpersonalisieren! „Origineller Einwurf, hat aber nichts mit der gelebten Realität zu tun und tut jetzt gerade nichts zur Sache.“
-> Der Angriff wird von der eigenen Person losgelöst

Klartext sprechen! Die Beleidigung beim Namen nennen und eine Entschuldigung einfordern. „Die Bemerkung find ich ganz schön unverschämt. Mein Feierabend beginnt auch erst abends, wenn mein Kind schläft. Die Bemerkung solltest Du echt überdenken“.
-> Dem anderen wir klipp und klar gesagt, dass eine Grenze überschritten wurde

Spielregeln klären! Als Reaktion auf den Spruch andere Umgangsformen vorschlagen. „Du, von meiner Rolle als Working Mum hast Du eine sehr beleidigende Vorstellung. Ich finde, wir sollten das Thema ausklammern“
-> Es wird sich untereinander nur auf das Berufliche konzentriert

Bumerang werfen! Beschimpfungen wie einen Bumerang zum Adressaten zurückkehren lassen. „Und manchmal auch im Regen“.
-> Der andere wird überrumpelt

Giftzunge entlarven! Indirekten Angriffen begegnen, indem der Angreifer mit einer prägnanten Spiegelung der verstandenen Beleidigung konfrontiert wird. „Du bist also der Meinung ich hätte ein zu entspanntes Leben?“
-> Er wird gezwungen Stellung zu beziehen

Na, die passenden Schlagfertigkeitstechniken für sich entdeckt? Mit diesen im Gepäck steht der verblüfften Kollegin, dem sprachlosen Chef oder den staunenden Bekannten nichts mehr im Wege. Viel Erfolg!

Tipp: Und wenn nicht, dann finden wir gemeinsam im Einzelcoaching heraus, wie es mit der Schlagfertigkeit klappt.



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